Soziale Unterstützung

Ein Leben in Lipah - Portrait einer dadong

September 2025   |   Sunari Bulan

Kindheit ohne Schule und frühe Erinnerungen

Dadong Jantuk sitzt auf einer dünnen Plastikplane, die auf dem nackten Beton ihrer Terrasse ausgebreitet ist. Sie plaudert sichtlich entspannt mit unserer Ibu Jero über ihr Leben. Sie ist etwa 78 Jahre alt. Wann sie geboren wurde, weiss sie nicht. Ihre Eltern haben den Tag schlicht vergessen. In ihrer Identitätskarte steht ein Fantasiedatum und eine geschätzte Jahreszahl. Ihre Eltern waren zu arm, um sie zur Schule zu schicken. Sie kann weder lesen noch schreiben und spricht nur den lokalen, balinesischen Dialekt.

Sie erinnert sich nicht an viel aus ihrer Kindheit. Sie weiss noch, dass sie als kleines Mädchen die Kühe gefüttert hat, daran, wie der grosse Berg, der Vulkan Mount Agung, der nur 20 Kilometer entfernt thront, ausgebrochen ist (1963), dass die Erde bebte, und daran, dass sie zum Waschen mit den anderen Mädchen vom Dorf zum weit entfernten Fluss gehen musste.

Familie, Verluste und ein einfaches Leben

Dann heiratete sie. Ihr Mann arbeitete sein Leben lang als Bauhandlanger, wo immer er Arbeit fand. Sie bekamen insgesamt sieben Kinder, von denen jedoch nur drei das Babyalter überlebten. Sie hatte eine Totgeburt, die anderen drei Babys starben mit 12 Tagen, 3 Monaten beziehungsweise 6 Monaten. Die Kinder brachte sie zu Hause zur Welt, einen Arzt gab es damals in der ganzen Region noch keinen.

Ihre Kinder sind mittlerweile längst erwachsen. Einer ihrer Söhne ist geistig behindert und lebt noch immer zuhause. Sein Bruder ist nach Denpasar gezogen. Sie hat ihn seit vielen Jahren nicht mehr gesehen. Die einzige Tochter lebt in einem der Nachbardörfer und unterstützt ihre Eltern, so gut sie kann. Seit Dadong Jantuk und ihr Mann nicht mehr arbeiten können, leben sie von dieser Hilfe und von der Unterstützung unserer Stiftung.

Dadong (Grossmutter) Jantuk im Gespräch mit Ibu Jero von unserer Stiftung

Alltag im Alter und ein bescheidener Ausblick

Ihr Leben hat sich in all diesen Jahren kaum verändert. Früher lebte sie in einer kleinen Bambushütte, heute steht an ihrer Stelle ein einfaches Haus aus einem staatlichen Armenprogramm. Die Wände sind unverputzt, der Boden aus rohem Beton, die Küche ein provisorischer Anbau aus Bambus und Wellblech. Wasser wird gesammelt, gekocht wird über offenem Feuer, gegessen meist Reis.

Sie sei zufrieden, sagt Dadong Jantuk. Es gehe ihr und ihrem Mann den Umständen entsprechend gut. Beide können noch gehen, anders als viele andere ältere Menschen in ihrer Umgebung. Ihr einziger Wunsch für die Zukunft ist schlicht: gesund zu bleiben.

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